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Kirchliche Sonderstellung an Hochschulen

Sachlage 

In Deutschland gibt es 32 Theologische Fakultäten (19 evangelische, 13 katholische) an staatlichen Universitäten sowie 16 Theologische Hochschulen. In ihnen wird in verschiedenen Fächern "geforscht" und ausgebildet. Zu den Fächern zählen u. A. Biblische und Historische Theologie. Studienabgänger werden Priester, Religionslehrer, oder gehen z. B. zur Diakonie. Deutschsprachige Länder sind die einzigen weltweit, welche die Ausbildung von Geistlichen an den Hochschulen unterhalten.
 
An den 32 Theologischen Fakultäten gab es im Wintersemester 97/98 22.014 Studierende. Sie wurden von 827 Professoren, 247 Dozenten und 665 Wissenschaftlichen Mitarbeitern ausgebildet. So kamen auf ein Mitglied des Lehrkörpers lediglich ca. 12 Studenten. Luxus hat seinen Preis: 451 Millionen DM zahlte hier der Staat. Hinzu kommen noch ca. 50 Millionen DM für die 16 Kirchlichen Hochschulen. Die Uni Eichstätt liegt komplett in kirchlicher Trägerschaft, wird aber überwiegend vom Land finanziert: 54 Mio DM.
Die Ausbildung von Religionslehrern, Priestern etc. kostet den Staat jährlich also über 250.000.000 €.

Weiterhin belaufen sich die Gelder der Forschungsförderung auf ca. 5 Mio €. 8 Mio € werden für Begabtenförderung ausgegeben. Zur Förderung von Kirchenmusik werden noch einmal Gelder in einer Größenordnung von 10 Mio € anfällig. Zudem Bauzuschüsse in Millionenhöhe.

Die Ausbildung des Nachwuchses von Caritas und Diakonie findet in 18 Kirchlichen Fachhochschulen (mit ca. 15 Mio € bezuschusst) und 60 Fachschulen statt. Die Fachschulen werden zu ca. 66% aus staatlichen Haushalten finanziert: 300 Mio €.

Unter Einbeziehung weiterer Subventionen (z. B. Studentenseelsorge) kostest die Ausbildung des kirchlichen Nachwuchses den Staat jedes Jahr also insgesamt über 650 Millionen € [1].

Die Philosophisch-Theologische Hochschule (PTH) Sankt Georgen in Frankfurt a.M. erhält laut Rektor Prof. Ulrich Rohde "keinen Cent" vom Staat. Im Landeshaushalt Hessen für 2008 ist die PTH auch nicht aufgeführt. Es bleibt zu klären, ob dies auf die anderen PTHs in Deutschland (Trägerschaft meist durch Orden und Bistümer) ebenfalls zutrifft. 


Bewertung

Die Objektivität, die Ungebundenheit der Wissenschaften muss laut Grundgesetz gewährleistet werden: "Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre sind frei.[...]"[2]

Theologie ist keine Wissenschaft in diesem Sinne. Die Kirchen haben durch Staatskirchenverträge unter anderem das Recht, über die Besetzung von Lehrstühlen mitzuentscheiden. Außerdem kann sie sich unbequemer Professoren entledigen. So hat unter anderem Professor Küng seinen Lehrstuhl verloren, weil er eine abweichende Meinung vertrat. Weitere Professoren mussten wegen Heirat (ein grundgesetzlich besonders geschütztes Recht) gehen.Theologie ist bekenntnisgebunden. Diese Grundlage macht sie nicht zu einer Wissenschaft, sondern zum "Sprachrohr einer Ideologie"[3].

Dies wird am Beispiel von Gerd Lüdemann deutlich: 2005 wurde vom Bundesverwaltungsgericht bestätigt, dass es rechtens ist, ihm den Lehrstuhl 'Neues Testament' an der Universität Göttingen zu entziehen, da er sich von Normen der Kirche losgesagt hat. Die wissenschaftliche Relevanz seiner Studien hat offensichtlich keinerlei Bewertungsrelevanz. Wichtig war nur seine persönliche Überzeugung. Theologen sind an einen Glaubenskodex gebunden.


Fazit

Theologie ist keine Wissenschaft. Das hat das Bundesverwaltungsgericht indirekt entschieden. Deshalb haben Theologische Fakultäten an staatlich finanzierten Hochschulen kein Existenzrecht. Das Einwirken eines Organs wie der Kirche in den Wissenschaftsbetrieb ist unzulässig. Theologische Fakultäten, Kirchliche Hochschulen, Kirchliche Fachhochschulen etc. sind umzufunktionieren oder komplett aus kirchlicher Hand zu finanzieren. Die Wissenschafts- und Lehrfreiheit muss gewahrt bleiben.

Neutrale Studiengänge wie etwa Religionswissenschaften, Islamwissenschaften und Judaistik hingegen haben ein Recht auf Existenz an öffentlichen Einrichtungen. Hier gibt es keine Abhängigkeit von Religionsgemeinschaften. Da Religion einen wichtigen gesellschaftlichen Faktor darstellt, sollten diese Wissenschaften (die zu Recht diesen Namen tragen) gefördert werden.

 
Für weitere Einflüsse der Kirchen auf die Universitäten siehe Konkordatslehrstühle.

 



Links

Homepage von Gerd Lüdemann mit Informationen zum Urteil des Verwaltungsgerichts und seinen Differenzen mit vorherrschenden religiösen Überzeugungen.

IBKA:Wissenschaft und Hochschulen

Wikipedia: Theologische Fakultät

Wikipedia: Wissenschaftstheorie der Theologie

Fußnoten 

[1] Die Daten finden sich in Carsten Frerks "Finanzen und Vermögen der Kirchen in Deutschland"

[2] Art. 5 III GG

[3] Ursula und Johannes Neumann, MIZ 1991, Heft 1, S. 34


 

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